Sexualmedizin

Sexuell übertragbare Erkrankungen

Chlamydieninfektion, genitale

Genitale Chlamydieninfektion (nicht-gonorrhöische Zervizitis, Chlamydien-Vaginitis oder -Zervizitis): eitrige Infektion der Schleimhäute des Geschlechtstrakts und der Harnröhre, ausgelöst durch das Bakterium Chlamydia trachomatis Typ D-K. Sowohl Männer als auch Frauen können sich infizieren, aber auch Überträger sein. Es besteht die Tendenz zur Chronifizierung, bei Frauen als chronische Adnexitis mit Befall von Eierstöcken und Eileitern.

Die genitale Chlamydieninfektion ist derzeit die häufigste Geschlechtskrankheit der westlichen Welt, 5 % aller Frauen und 3 % der Schwangeren sind infiziert, unter sexuell früh aktiven Frauen und Frauen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern sogar bis zu 20 %. In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 300 000 Neuinfektionen bei Frauen.

Symptome und Leitbeschwerden

Akute Infektion:

  • Schleimig-eitriger Ausfluss aus der Scheide bzw. weißer oder wässriger Ausfluss aus dem Penis
  • Juckreiz
  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr.

Chronische Infektion:

Bei Frauen:

  • Bauch- und Rückenschmerzen
  • Verlängerte Regelblutung, eventuell auch Zwischenblutungen
  • Starker Harndrang
  • Durchfall
  • Unfruchtbarkeit
  • Fieber.

Bei Männern:

  • Ziehen und Schmerzen im Unterbauch
  • Ziehende Schmerzen in der Harnröhre
  • Starker Harndrang
  • Rückenschmerzen
  • Unfruchtbarkeit
  • Fieber.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • oben genannte Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Chlamydien sind eine besondere Art von Bakterien, da sie – ähnlich den Viren – nur in Wirtszellen überleben. Die drei Bakterienarten Chlamydia trachomatis, Chlamydia pneunomiae und Chlamydia psittaci sind für eine Vielzahl von Infektionen verantwortlich, so für Bindehautentzündungen der Augen, Lungenentzündungen, das Lymphogranuloma inguinale und eben auch für die heute häufigste Geschlechtskrankheit, die genitale Chlamydieninfektion.

Bei Frauen macht sich die Infektion als akute Adnexitis bemerkbar; da die Beschwerden aber bei Frauen oft eher milde sind, unterbleibt häufig die Behandlung.

Die Chlamydieninfektion kann leicht chronisch werden. Unbehandelt drohen nicht selten sowohl bei Frauen als auch bei Männern chronische Unterleibsbeschwerden und Unfruchtbarkeit.

Risikofaktoren

Ungeschützter Geschlechtsverkehr (vaginal, oral oder anal) mit häufig wechselnden Sexualpartnern.

Komplikationen

Bei Frauen. Unentdeckt können sich die Chlamydien über Wochen und Monate im Becken ausbreiten und die Eileiter und die Eierstöcke besiedeln. Oft sind jahre- bis jahrzehntelange chronische Unterleibsbeschwerden im Rahmen einer chronischen Adnexitis sowie Unfruchtbarkeit die Folge. Kommt eine Schwangerschaft zustande, sind Komplikationen wie eine Eileiterschwangerschaft und Frühgeburten häufig, und selbst bei einer "normalen" Schwangerschaft infizieren Chlamydien-Bakterien in der Scheide in 30 % der Fälle die Augen und die Lunge des Neugeborenen.

Bei ungeschütztem analen oder oralen Verkehr droht die Infektion von Rektum (Proktitis) bzw. Rachen (Pharyngitis). Zwar verlaufen diese Infektionen meist ohne Beschwerden und heilen auch nach einigen Wochen wieder aus, bis dahin stellen sie jedoch ein Infektionsrisiko dar.

Bei Männern. Nur bei der Hälfte der betroffenen Männer kommt es zu Beschwerden in Form von Schmerzen beim Wasserlassen und starkem Harndrang. Unbehandelt drohen eine Prostataentzündung und/oder Nebenhodenentzündung sowie Unfruchtbarkeit. Eine weitere vor allem Männer bedrohende Komplikation ist eine reaktive Arthritis in verschiedenen Gelenken sowie Sehnenscheidenentzündungen.

Diagnosesicherung

Der Nachweis einer Chlamydieninfektion ist aufwendig und gelingt auch nicht immer.

Als Schnelltest steht ein immunologischer Bluttest (Antigentest) zur Verfügung. Bestätigt dieser den Verdacht, stehen zum definitiven Nachweis immunologische Untersuchungen (z. B. die Immunfluoreszenz) zur Verfügung. Benötigt wird dazu Abstrichmaterial vom Geschlechtsorgan, aus dem im Labor Erreger-DNS isoliert und mit gentechnischen Verfahren wie der PCR vermehrt wird. Die Anzucht des Erregers selbst kann in speziellen Zellkulturen von Abstrichmaterial (auch aus Urin) versucht werden. Der Nachweis von Antikörpern gegen Chlamydia trachomatis im Blut ist ebenfalls möglich. Der Test kann allerdings nicht zwischen aktueller und bereits ausgeheilter Infektion unterscheiden und ist daher in der Regel von begrenztem Wert.

Bei Frauen. Ein erster Hinweis auf eine Infektion ist der gelblich-klebrige Ausfluss. Bei der Untersuchung mit dem Spekulum erkennt der Frauenarzt oft ein gelbliches Sekret aus dem Gebärmutterhals. Abstriche von der Gebärmutterhalsschleimhaut, aus der Harnröhre und dem Mastdarm (Rektum) erlauben den Keimnachweis im Labor. Außerdem wird der Urin auf Chlamydien untersucht. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten für die Untersuchung im Rahmen des Chlamydien-Screenings.

Bei Männern. Je nach Beschwerdebild kann der Arzt folgende Testverfahren anwenden, um Chlamydien nachzuweisen:

  • Abstrich aus der Harnröhre oder dem Mastdarm
  • Urintest zum Nachweis einer urogenitalen Infektion
  • Abstriche der Rachenschleimhaut bei Verdacht auf Infektion des Rachens
  • Untersuchung des Augensekrets (abgesonderte Flüssigkeit).

Behandlung

Die Therapie erfolgt mit Antibiotika über 10–14 Tage z. B. mit Tetrazyklin oder Doxycyclin.

Schwangere werden routinemäßig zu Beginn der Schwangerschaft auf Chlamydien untersucht und im Fall einer Infektion ab der 14. Schwangerschaftswoche antibiotisch behandelt. Eine regelmäßige Untersuchung während der Schwangerschaft schützt außerdem vor einer eventuellen Frühgeburt und einer Infektion des Neugeborenen.

Um eine gegenseitige Wiederansteckung ("Ping-Pong-Effekte") zu vermeiden, sollten der oder die Sexualpartner der letzten 60 Tage mitbehandelt werden. Verzichten Sie bis zum Ende der Therapie auf Geschlechtsverkehr.

Prognose

Wird die Infektion rechtzeitig entdeckt und eine Antibiotikatherapie eingeleitet, ist die Prognose sehr gut: Die Chlamydien-Infektion heilt meist ohne Folgen aus. Wird sie jedoch nicht oder zu spät behandelt, drohen Folgeschäden wie Unfruchtbarkeit.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention und Früherkennung

Da Chlamydien außerordentlich ansteckend sind, bieten auch Kondome nur begrenzten Schutz. Trotzdem sind sie besser als ungeschützter Verkehr. Nach Abschluss der Therapie wird der Behandlungserfolg durch erneute Testung aller Sexualpartner nachgewiesen.

Mittlerweile gibt es auch für zu Hause Selbsttests, doch diese sind weniger zuverlässig als die Untersuchungsverfahren beim Arzt. Beim Urintest für zu Hause wird ein kleiner Behälter mit dem Morgenurin gefüllt. Der Ablauf ähnelt dem bei einem Schwangerschaftstest. Das Ergebnis erkennt man an den Verfärbungen oder der Anzahl der Linien auf dem Test. Bei dem Abstrichtest nimmt man einen Abstrich aus der Scheide mit einem Wattestäbchen und schickt die Probe zur Auswertung an ein Labor.

Feigwarzen

Feigwarzen (Condylomata acuminata, spitze Kondylome, Genitalwarzen, HPV-Infektion): Spitze, hahnenkammartige Wucherungen nach Infektion mit dem Humanen Papillom Virus (HPV). Feigwarzen kommen zunehmend häufig vor; in den westlichen Ländern sind 0,1–1,0 % der Bevölkerung betroffen. Die 15- bis 30-Jährigen stecken sich am häufigsten an, doch viele davon erkranken nicht sichtbar. Da die Viren hauptsächlich durch Haut- und Schleimhautkontakte beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, zählen Feigwarzen zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Eine Behandlung ist nur symptomatisch möglich, d. h. die Warzen können entfernt werden, nicht aber die Viren als deren Ursache. Rückfälle (Rezidive) sind daher häufig.

Symptome und Leitbeschwerden

Genitalwarzen rufen nur selten Beschwerden hervor. Folgende Symptome können auftreten:

  • Hahnenkammartige, weißlich-graue, spitze Warzen im äußeren Geschlechtsorgan- und Analbereich
  • Nässegefühl
  • Juckreiz oder Brennen
  • Kleine blutende Risse (Fissuren) rund um die Warze.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • fühl- oder sichtbare Warzen im Geschlechtsorgan- oder Analbereich auftreten.
  • es im Geschlechtsorgan- oder Analbereich juckt oder brennt.
  • es zu Blutungen (aus der Scheide) unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr kommt.
  • Feigwarzen beim Partner diagnostiziert wurden.

Die Erkrankung

HPV ist ein Virus, von dem man etwa 90 verschiedene Typen kennt.

Bei Frauen verursachen die Typen HPV 6 und 11 im äußeren Genitalbereich (Schamlippen und Scheideneingang) und Analbereich Feigwarzen. Infektionen sind auch an den inneren Genitalorganen bekannt, sehen dann aber anders aus: Insbesondere am Muttermund werden nach HPV-Infektion flache Kondylome beobachtet.

Bei Männern treten die Feigwarzen vom Typ HPV 6 und 11 hauptsächlich am Penisschaft (51 %), am After (34 %), an der Eichel (10 %) und an der Vorhaut (8 %) auf. Nachweislich stecken sich beschnittene Männer deutlich seltener an als nicht beschnittene. Die Feigwarzen treten bei Letzteren an der Vorhaut und dem Vorhautbändchen, an der Eichel und dem Eichelrand sowie an der Harnröhrenöffnung (deutlich häufiger als bei der Frau) auf. Bei beschnittenen heterosexuellen Männern findet man Feigwarzen am Penisstamm und an der -wurzel. An Feigwarzen, die ausschließlich im Analbereich bzw. -kanal auftreten, leiden in der Mehrzahl Homosexuelle.

Krankheitsentstehung

Die Viren werden von Mensch zu Mensch, vorwiegend beim Geschlechtsverkehr, übertragen. Anschließend dauert es Wochen bis Monate, bis es zu Krankheitsanzeichen kommt. In vielen Fällen bleiben sie ganz aus oder treten nur bei verminderter Immunabwehr auf. Feigwarzen an sich sind gutartig, kommen aber häufig zusammen mit Zellveränderungen vor, die Vorstufen zu bösartigen Tumoren der Geschlechtsorgane, insbesondere für Gebärmutterhalskrebs oder Peniskrebs, sein können.

Ursachen

Das Virus wird meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr durch den direkten Kontakt mit den infizierten Haut- oder Schleimhautarealen übertragen.

Selten wird das Virus auch als Schmierinfektion über infizierte Handtücher oder verunreinigte Gegenstände wie Sexspielzeug weitergegeben.

Risikofaktoren

  • Häufig wechselnde Sexualpartner
  • Immunsuppressiva (Arzneimittel, die beispielsweise bei Krebserkrankungen oder Multipler Sklerose eingesetzt werden und die die normale Funktion des Immunsystems vermindern)
  • Genussmittel- (Nikotin, Alkohol) und Drogenmissbrauch
  • Geschwächte Immunabwehr
  • Bestehende Entzündungen an Enddarm und Genital (z. B. Eichelentzündung beim Mann, Analekzem)
  • Vorhandensein anderer Geschlechtskrankheiten wie Herpes genitalis oder HIV
  • Kleine Risse in Schleimhaut und Haut
  • Benutzung von verunreinigten Gegenständen wie Sexspielzeug.

Auslöser

  • Als Auslöser für Feigwarzen gelten die humanen Papillomaviren (HPV), und zwar die HPV-Typen 6 und 11. Sie nisten sich in den oberen Hautschichten ein. Allerdings entstehen nur dann Warzen, wenn weitere begünstigende Faktoren hinzutreten wie eine schwache (lokale) Immunabwehr.

Diagnosesicherung

Bei Frauen. Meist werden Veränderungen bei Vorsorgeuntersuchungen entdeckt. Aufgrund ihres typischen Aussehens sind Feigwarzen leicht zu erkennen. Kleine Herde im Scheideninneren entdeckt der Arzt durch die Scheidenspiegelung. Dabei entnimmt er einen Abstrich von der Muttermundschleimhaut. Flache Kondylome sind nach Betupfen mit niedrig konzentrierter Essigsäure besser sichtbar. Die sicherste Diagnose ist der Nachweis von Virus-DNS im Labor, für den unter örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe mit einer speziellen Zange entnommen wird (Knipsbiopsie).

Bei Männern. Bei Verdacht auf Feigwarzen untersucht der Urologe zunächst den äußeren Genitalbereich, d. h. vor allem die Eichel und den Harnröhrenausgang, sowie den After. Findet der Arzt Feigwarzen, wird eine Harnröhrenspiegelung bzw. Enddarmspiegelung durchgeführt, da sich die Feigwarzen unbemerkt im Enddarm und der Harnröhre ausbreiten können. Da die Feigwarzen im Anfangsstadium kaum zu erkennen sind, werden verdächtige Hautstellen mit verdünnter Essigsäure betupft, um flache Kondylome sichtbar zu machen.

Behandlung

Der Partner muss mituntersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden, um Ping-Pong-Ansteckungen zu vermeiden.

Die Therapie erfolgt je nach Ausmaß der Erkrankung individuell verschieden.

Pharmakotherapie

Podophyllin. Einzelne kleine Feigwarzen werden durch einmal wöchentliches Auftupfen einer Lösung mit Podophyllin vom Arzt behandelt, bis sie verschwinden. Da die Substanz aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur begrenzt verwendet werden darf, eignet sie sich nicht zur Langzeitbehandlung oder für ausgedehnt befallene Flächen. Auch sind bei etwa 60 % der Patientinnen Rückfälle zu beobachten.

Alternativ können Feigwarzen auch vereist werden. Dabei wird ein Wattebausch mit flüssigem Stickstoff auf die betroffenen Stellen getupft.

Imiquimod. Ein neuer Therapieansatz ist der Immunmodulator Imiquimod (Aldara®), der das Immunsystem stärkt, sodass der Körper selbst den Virus eindämmt. Aldara® wird ebenfalls lokal aufgetragen.

Grüntee-Extrakt. Dieses Arzneimittel ist als Salbe zur äußerlichen Genitalwarzenbehandlung auf dem Markt und enthält einen Extrakt aus grünem Tee (Veregen®). Zwei internationale Studien zeigen, dass es die Rückfallrate auf unter 10 % senkt und das Abheilen fördert – bei 50 % der Patientinnen verschwanden die Feigwarzen vollständig. Die Salbe aus Grünem-Tee-Extrakt eignet sich zur äußeren Anwendung bei schwachem und starkem Befall und soll dreimal täglich aufgetragen werden, bis keine Warzen mehr vorhanden sind – höchstens jedoch 16 Wochen lang.

Operative Behandlung

Auch wirksam und insbesondere für stärkeren Befall geeignet ist ein operativer Eingriff, bei dem die Feigwarzen unter örtlicher Betäubung mit Elektrokoagulation (elektrische Verkochung) oder mittels Laser abgetragen werden. Meist wird eine Kombinationstherapie (Pharmakotherapie und Operation) angewandt, um das hohe Rückfallrisiko zu verringern. Um Rückfälle frühzeitig zu entdecken, sollten Betroffene noch mehrere Jahre nach der Behandlung regelmäßig zur Kontrolle gehen.

Prognose

Derzeit gibt es keine wirksame Therapie, die die humanen Papillomaviren (HPV) beseitigt. Das heißt: Die Feigwarzen können auch nach erfolgreicher Behandlung immer wieder auftreten, und bestehen sie über eine längere Zeit, ist eine Entartung zum Penis- oder Gebärmutterhalskrebs möglich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Aufgrund des hohen Rückfallrisikos ist es wichtig, dass Sie sich regelmäßig untersuchen lassen, auch wenn die Warzen erfolgreich beseitigt wurden.

Auch Ihr Sexualpartner sollte sich regelmäßig untersuchen lassen.

Prävention

  • Für Mädchen ab dem 9. Lebensjahr wird die HPV-Schutzimpfung zur Vorbeugung empfohlen.
  • Verwenden Sie Kondome, sie bieten allerdings keinen 100%igen Schutz, da Feigwarzen extrem ansteckend sind.
  • Benutzen Sie keine gemeinsamen Handtücher und Waschlappen.

Gonorrhö

Gonorrhö (Gonorrhoe, Tripper, Morbus Neisser, GO): Häufig auftretende Geschlechtskrankheit. Jedes Jahr infizieren sich bis zu 60 Millionen Menschen weltweit mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken). Männer und Frauen sind dabei gleichermaßen von Tripper betroffen, vor allem im jüngeren Erwachsenenalter um die 30 Jahre. Die Erkrankung bleibt meist unbemerkt. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregerstämmen (insbesondere gegen Breitbandantibiotika und Penizillin) gewinnt die Gonorrhö als Krankheitsbild weltweit wieder an Bedeutung.

Symptome und Leitbeschwerden

Bei Frauen:

In fast 70 % der Fälle treten zunächst keine oder nur sehr milde Beschwerden auf, sodass die Infektion zunächst möglicherweise gar nicht bemerkt wird. Achten Sie auf folgende Symptome:

  • Eitriger Ausfluss aus der Scheide
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Leichte Halsschmerzen, wenn Rachenbereich infiziert ist
  • Brennen und Schmerzen beim Stuhlgang sowie Beimengungen von Schleim im Stuhl, wenn die Schleimhäute des Enddarms betroffen sind.

Bei Männern:

  • Brennende Schmerzen beim Wasserlassen bis hin zum Gefühl von Glassplittern in der Harnröhre
  • Rötung und schmerzhafte Schwellung am Penis und an der Vorhaut
  • Zunehmender eitriger, schleimiger Ausfluss (oft morgens, auch "Bonjour-Tröpfchen" genannt) aus der Harnröhre, der dann schnell gelblich-cremig wird
  • Schleimig-eitrige Beimengungen im Stuhl und Schmerzen beim Stuhlgang als Folge der Entzündung im Enddarm beim Analverkehr
  • Entzündung mit Halsschmerzen als Folge von Oralverkehr (Rachen-Gonorrhö).

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • oben genannte Symptome auftreten.
  • es zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem Partner mit bekannter Infektion kam.

Die Erkrankung

Ursachen

Hauptursache der Erkrankung ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einem Erkrankten. Die Gonorrhö-Erreger werden also vor allem durch den direkten Kontakt mit den Schleimhäuten übertragen, aber auch durch indirekten Kontakt mit infektiösen Körpersekreten wie Stuhl oder Urin. Da die Erreger auf äußere Einflüsse sehr empfindlich reagieren, ist eine Ansteckung durch Kontakt mit verunreinigten Gegenständen, wie Waschlappen oder Handtücher, eher unwahrscheinlich.

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Gonokokken vom Mann zur Frau bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr liegt bei etwa 85 %; andersherum geben nur etwa 30 % der erkrankten Frauen den Erreger an den Partner weiter.

Komplikationen

Eine unbehandelte Gonorrhö kann sich über den Blutweg im ganzen Körper ausbreiten (Gonokokkensepsis). Es kann zu wiederkehrenden Fieberschüben, Schüttelfrost, Hautveränderungen und schmerzhaften Gelenk- und Sehnenscheidenentzündungen kommen. Ebenso ist eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) möglich.

Bei Frauen entwickelt sich häufig eine Gebärmutterhalsentzündung (Zervizitis) mit Fieber sowie heftigen Unterbauchschmerzen sowie Eierstock- und Eileiterentzündungen (chronische Adnexitis). Verkleben in der Folge die Eileiter, kann es zur Unfruchtbarkeit kommen.

Die Übertragung ist auch bei der Geburt von der infizierten Mutter auf das Neugeborene möglich, das meist an einer eitrigen Bindehautentzündung erkrankt. Aus diesem Grund erhalten Neugeborene bei Bedarf direkt nach der Geburt Augentropfen, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden.

Bei Männern kann es zu einer chronischen Prostataentzündung und/oder Entzündung der Nebenhoden kommen. Da die chronische Entzündung für Antibiotika schwer zugänglich ist, kann sie zu Verengungen in der Harnröhre führen.

Auslöser

Als Auslöser gilt das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken).

Verlauf

Bei Frauen. Gonokokken verursachen wenige Stunden bis zu 10 Tage nach der Ansteckung eine Entzündung meist des Gebärmutterhalses. Diese breitet sich auf die Harnröhre, manchmal auch auf den Enddarm aus. Im Scheideneingang werden vorwiegend die Bartholin-Drüsen befallen, die anschwellen und schmerzen. Bleibt die Infektion unbehandelt, dehnt sie sich oberhalb des Gebärmutterhalses auf den Gebärmutterkörper, die Eileiter und den Beckenraum aus (obere Gonorrhö). Die Spätfolgen können Verklebungen und Verwachsungen und dadurch bedingte chronische Unterbauchschmerzen, Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit sein. Werden Neugeborene während der Geburt infiziert, erkranken sie an einer eitrigen Bindehautentzündung (Blenorrhö). Unbehandelt kann sich die Infektion auch außerhalb des Genitaltrakts auf andere Organe wie Gelenke, Hirnhäute und Herz ausweiten.

Bei Männern. 2–3 Tage nach der ursächlichen Infektion mit Gonokokken treten die ersten Anzeichen in Form von Schmerzen beim Wasserlassen und einem milchig-eitrigen Ausfluss auf. Meist zeigt sich die Erkrankung jedoch ohne spürbare Symptome, sodass der Infizierte die Gonokokken unwissentlich an seine Sexualpartner weitergibt und die Erkrankung lange unbehandelt bleibt. Es drohen chronische Krankheitsverläufe, schwere Entzündungen der Geschlechtsorgane und irreparable Schäden wie etwa Unfruchtbarkeit.

Diagnosesicherung

Der Arzt erkundigt sich nach Dauer und Beschaffenheit des Ausflusses, nach dem Zeitpunkt des letzten Geschlechtsverkehrs sowie nach den Sexualpraktiken. Letzteres ist wichtig, da bei Oralverkehr die Gonorrhö auch den Rachen befallen kann. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung nimmt der Arzt einen Abstrich von den betroffenen Körperstellen: bei der Frau meist vom Gebärmutterhals, beim Mann von der Harnröhre. Aber auch Abstriche aus dem Rachen, dem After oder der Augenbindehaut sollten erfolgen, um diese mikroskopisch zu untersuchen. Da häufig eine Mehrfachinfektion vorliegt, gehören auch Tests auf Syphilis und eine Chlamydieninfektion zur Diagnostik.

Behandlung

Um die weitere Ausdehnung der Infektion und mögliche Spätfolgen zu verhindern, wird sofort antibiotisch behandelt, auch ohne den Erregernachweis abzuwarten. Dazu reicht bei einer unkomplizierten, unteren Gonorrhö meist eine einmalige Gabe (als intramuskuläre Spritze oder Tablette) eines Antibiotikums wie Ceftriaxon i. m., alternativ Cefixim, Ofloxacin oder Ciprofloxacin.

Je nach Präparat werden Chlamydien direkt miterfasst oder durch eine zusätzliche einwöchige Einnahme eines entsprechenden Antibiotikums behandelt. Sexualpartner (auch wenn die Sexualkontakte bis zu 30 Tage zurückliegen) bekommen ebenfalls diese Antibiotika.

Bei Frauen. Unmittelbar nach der nächsten Menstruation erfolgt eine Therapiekontrolle durch Abstrich und ggf. Kultur. Ist es bereits zu einer gonorrhöischen Eileiterentzündung gekommen, wird ein Krankenhausaufenthalt über mindestens eine Woche notwendig. Die Antibiotikabehandlung erfolgt in solchen Fällen in höherer Dosierung und längerer Dauer.

Prognose

Die Aussichten auf Heilung sind meist gut. Bei einer frühzeitigen Behandlung mit Antibiotika heilen die Entzündungen in der Regel folgenlos aus.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

  • Gehen Sie bei den ersten Symptomen zum Arzt.
  • Wichtig ist auch die Behandlung des Sexualpartners, um eine immer wiederkehrende wechselseitige Ansteckung zu vermeiden.

Prävention

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome, um sich vor einer Ansteckung mit Gonokokken zu schützen.
  • Derzeit gibt es noch keine Impfung gegen Neisseria gonorrhoeae, allerdings infizieren sich weniger Frauen, die gegen Meningokokken der Gruppe B geimpft sind.

Herpes genitalis

Herpes genitalis (Herpes-simplex-Virus-Infektion, Genitalherpes): Entzündung im Genitalbereich durch Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2). Herpes genitalis gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten und ist eine weitverbreitete Erkrankung; in Europa sind etwa 30 % der Bevölkerung Träger des HSV-2. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, da für sie das Ansteckungsrisiko beim Geschlechtsverkehr höher ist. Das Virus bleibt lebenslang im Körper und kann deshalb auch immer wieder eine Entzündung hervorrufen.

Symptome und Leitbeschwerden

Oft verläuft eine Herpes-genitalis-Infektion ohne Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, dann vor allem im Genitalbereich (äußere Geschlechtsorgane).

Bei Frauen:

  • Juckreiz, Spannungsgefühl, Kribbeln und brennende Schmerzen im äußeren Geschlechtsorganbereich, in der Scheide, aber auch am After und Gesäß
  • Verstärkter glasiger Ausfluss
  • In Gruppen auftretende, schmerzhafte Bläschen, die aufplatzen und verkrusten
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Wasserlassen
  • Häufig geringe Schwellung und Schmerzhaftigkeit regionaler Lymphknoten
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, evtl. Fieber.

Bei Männern:

  • Juckreiz, Spannungsgefühl, Kribbeln und brennende Schmerzen im Genitalbereich, am After oder Gesäß.
  • Evtl. glasiger Ausfluss
  • In Gruppen auftretende, schmerzhafte Bläschen, die aufplatzen und verkrusten
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und beim Wasserlassen
  • Häufig geringe Schwellung und Schmerzhaftigkeit regionaler Lymphknoten
  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, evtl. Fieber.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • die genannten Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Die Herpes-simplex-Viren Typ 2, Hauptverursacher der Krankheit, dringen meistens über kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in den Körper ein. Sie vermehren sich zunächst in den Schleimhautzellen, um dann über Nervenfasern ins Rückenmark zu wandern, wo sie nach der ersten Infektion lebenslang verbleiben. Nach der Erstinfektion können sie erneut zu Beschwerden führen wie Lippenherpes (rezidivierender Herpes labialis).

Ursachen

Herpes genitalis wird in 50–70 % der Fälle durch den Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) verursacht; in 20–30 % der Fälle durch Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1). Übertragen wird das Virus überwiegend durch Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner. Auch Oralverkehr oder mit Viren verunreinigte Hände können ursächlich sein. Ebenso ist es möglich, dass infizierte Gegenstände wie benutzte Kondome, verunreinigtes Sexspielzeug oder getragene Unterwäsche indirekt zur Ansteckung führen.

Verlauf

Eine Infektion mit HSV-2 löst nach wenigen Tagen eine Entzündung im Geschlechtsorganbereich aus, die das äußere Geschlechtsorgan, die Schamlippen, die Scheide und auch den Gebärmutterhals betreffen kann. Es kommt zu den charakteristischen schmerzhaften Herpesbläschen, die einige Tage später aufplatzen und kleinen Geschwüren ähneln. Sie trocknen unter Krustenbildung ein und heilen nach sieben bis zehn Tagen narbenlos ab. Da die Viren auch mit Behandlung lebenslang im Körper verbleiben, kann es immer wieder zu lokal begrenzten Rückfällen kommen, insbesondere in Zeiten mit geschwächter Immunlage, bei geschwächtem Immunsystem, Erkältung, Stress und bei Frauen auch während der Menstruation. Sowohl die Erstinfektion als auch die Rückfälle laufen häufig unbemerkt ab und werden oft nur zufällig diagnostiziert.

Komplikationen

Bei infizierten Schwangeren kann sich der Erreger während der Geburt auf das Neugeborene übertragen (Herpes neonatorum), was sehr gefährlich werden kann, da sowohl Haut, Schleimhaut, Augennetzhaut als auch innere Organe betroffen werden können. Man geht davon aus, dass ca. 50 % der Neugeborenen von infizierten Müttern sich während der Geburt anstecken. Durch einen Kaiserschnitt kann die Infektion verhindert werden.

Diagnosesicherung

Die Diagnose stellt der Arzt häufig schon aufgrund der typischen gruppiert stehenden, teilweise aufgeplatzten und verkrusteten Bläschen. Zur Bestätigung der Diagnose wird ein Abstrich vom Bläscheninhalt im Labor untersucht, so wird geklärt, ob es sich um Herpes-Simplex-Viren vom Typ 1 oder 2 (HSV-1 oder HSV-2) handelt.

Eine noch verlässlichere Methode ist der Nachweis von Antikörpern im Blut.

Behandlung

Zur Behandlung vereinzelter, kleiner Herpesherde mit frischen Bläschen reicht eine virenhemmende (virostatische) Creme (Aciclovir, z. B. Zovirax®) meist aus. Bei älteren Infektionen oder ausgedehnten Bereichen verschreibt der Arzt Aciclovir als Tabletten. Dabei beträgt die empfohlene Anwendung bei einer Erstinfektion 5–10, bei einem Rückfall 1–2 Tage.

Bei Frauen. Besteht die Gefahr, dass eine mit Herpes genitalis infizierte Schwangere das Virus während der Schwangerschaft oder der Geburt an das Kind weitergibt (Herpes neonatorum), wird eine Infusionsbehandlung mit einem virushemmenden Mittel angeordnet.

Prognose

Eine Herpes-simplex-Virus-Infektion ist nicht heilbar, da die auslösenden Viren lebenslang im Körper bleiben und ein Rückfall immer wieder vorkommen kann. Die Häufigkeit dafür variiert von Fall zu Fall: Während einige jahrelang keine Symptome haben, erkranken andere mehrmals jährlich. Mit zunehmendem Alter treten Rückfälle seltener auf.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

  • Achten Sie auch auf leichte Beschwerden und gehen Sie frühzeitig zum Arzt, wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt.
  • Um die Symptome zu lindern, können Medikamente, die den Entzündungsprozess unterdrücken (Antiphlogistika), Sitzbäder mit Kamille, kühlende Umschläge oder Zinksalbe angewendet werden.
  • Solange die Krankheitssymptome und Hauterscheinungen bestehen, sollten Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Prävention

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome, um sich und Ihren Partner vor einer Infektion zu schützen.
  • Vermeiden Sie, die entzündeten Stellen zu berühren, um eine Übertragung des Erregers zu vermeiden. Bei Kontakt müssen Sie sich danach auf jeden Fall gründlich die Hände waschen.

Syphilis

Syphilis (Lues, harter Schanker): Chronische, in mehreren, klinisch sehr unterschiedlichen, Stadien ablaufende Krankheit, hervorgerufen durch das Bakterium Treponema pallidum (Treponemen). Die Übertragung erfolgt nahezu ausschließlich während des Geschlechtsverkehrs, aber auch während der Schwangerschaft von der erkrankten Mutter auf das Kind sowie durch Blut und Blutprodukte. Insgesamt nimmt die Verbreitung der Syphilis wieder zu, insbesondere homosexuelle Männer sind betroffen.

Symptome und Leitbeschwerden

Primäre Syphilis (Lues I):

Nur bei jeder zweiten Infektion treten Beschwerden auf wie:

  • Münzgroße, nicht schmerzhafte Geschwüre mit hartem, knorpelartigem Rand im Geschlechtsorgan oder an anderer Stelle
  • Geschwollene schmerzlose Leistenlymphknoten.

Sekundäre Syphilis (Lues II):

  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Haarausfall
  • Plötzliche Heiserkeit
  • Fleckförmiger, nicht juckender Hautausschlag vor allem an den Fußsohlen und den Handflächen
  • Fieber
  • Nässende Wärzchen im äußeren Geschlechtsorgan- oder Analbereich, aber auch unter den Achseln und der Brust, zwischen den Fingern oder Zehen.

Tertiäre Syphilis (Lues III):

  • Befall innerer Organe (heute nur noch sehr selten vorkommend)
  • Geschwürartige, manchmal Sekret absondernde Knoten in den Organen und im Gewebe, zum Beispiel an Zunge oder Nase
  • Knotige Veränderungen auf der Haut
  • Sehstörung durch Entzündung der Sehnerven (Optikusneuritis) oder der Regenbogenhaut (Iritis).

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • die Lymphknoten anschwellen.
  • schmerzlose Geschwüre mit hartem, knorpelartigem Rand beispielsweise an der Scheide bei der Frau oder am Penis oder After beim Mann auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Über kleinste Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute im Genitalbereich gelangt das Bakterium Treponema pallidum in den Organismus. Bei Oral- oder Analverkehr besteht zudem die Gefahr, dass die Erreger den Mund- oder Afterbereich befallen. Aber auch durch den direkten Kontakt mit infiziertem Blut, beispielsweise in Spritzen oder Blutkonserven, kann die Syphilis übertragen werden.

Abgrenzung:

  • Primäre Syphilis: Ulkus molle, Herpes genitalis, Karzinome
  • Sekundäre Syphilis: HIV-Infektion und andere sexuell übertragene Erkrankungen, Röschenflechte (Pityriasis rosea), Schuppenflechte (Psoriasis), Arzneimittelallergie (Exanthem).

Ursachen

Die Ursache ist in der Regel der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Sexualpartner. Dabei liegt die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken bei etwa 50 %.

Risikofaktoren

  • Oralsex ohne Kondom mit häufig wechselnden Sexualpartnern
  • Gebrauch von analem Sexspielzeug
  • Infizierter Sexualpartner
  • Verbandmaterial, Spritzen, Handtücher, die vom infizierten Partner benutzt wurden.

Auslöser

Ausgelöst wird Syphilis durch eine Infektion mit einem spiral- bzw. schraubenförmigen Bakterium (Treponema pallidum).

Verlauf

Der klinische Verlauf wird in Frühsyphilis und Spätsyphilis eingeteilt. Zur Frühsyphilis (bis 1 Jahr nach Infektion) gehören die primäre Syphilis (Lues I), in der sichtbare Zeichen der Krankheit am Ort des Eindringens lokalisiert sind, und die sekundäre Syphilis (Lues II) mit generalisierten Krankheitserscheinungen. Die Spätsyphilis besteht aus der tertiären Syphilis (Lues III) und der Neurosyphilis (quartäre Syphilis).

Primärstadium (Lues I). Es dauert durchschnittlich 3–4 Wochen nach der Ansteckung, bis an der Eintrittsstelle des Erregers ein rötliches, leicht zu übersehendes Knötchen zu sehen ist (Primäraffekt genannt). Dieses entwickelt sich zu einem (seltener mehreren) münzgroßen, schmerzlosen und in der Mitte oft nässenden Geschwür mit hartem, knorpelartigem Rand (harter Schanker) im Geschlechtsorganbereich oder – je nach Art der ausgeübten Sexualpraktiken – auch in der Mundhöhle, im Rachen und an den Lippen sowie am After und im Dickdarm.

Kurz darauf schwellen langsam die in der Nähe liegenden (Leisten-)Lymphknoten an. Charakteristisch sind die geringe Schmerzhaftigkeit und das Fehlen von Entzündungszeichen. Auch ohne Behandlung verschwindet das Geschwür nach 4–6 Wochen, weshalb die Erkrankung oft nicht erkannt oder beachtet wird. Ohne Therapie ist der Übergang in weitere Stadien möglich.

Sekundärstadium (Lues II). Etwa 8–9 Wochen nach der Infektion haben sich die Bakterien über die Blutgefäße im ganzen Körper ausgebreitet. Die Folge: allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper. Typisch für dieses Stadium ist ein Hautausschlag – vor allem am Körperstamm –, der später knötchenartig wird und insbesondere an Handflächen und Fußsohlen durch seine Schuppung einer Schuppenflechte ähnelt. Diese bräunlich-roten Knötchen sind potenziell ansteckend, da sie die Krankheitserreger enthalten. Dennoch sind die Hauterscheinungen typischerweise in diesem Stadium ohne Juckreiz.

Das Sekundärstadium kann lange anhalten und vielfältigste Beschwerden auslösen, wie Haarausfall, Halsentzündungen und Veränderungen der Mundschleimhaut, im Geschlechtsorgan- und Analbereich nässende, juckende Wärzchen (breite Kondylome, Condylomata lata), die aber nicht mit den Feigwarzen zu verwechseln sind.

Tertiärstadium (Lues III). Etwa 3–5 Jahre nach der Ansteckung sind nicht nur Eintrittspforte, Haut und Lymphknoten befallen, sondern auch die inneren Organe wie Magen, Darm, Speiseröhre, Knochen oder Muskeln.

30 Jahre nach der Infektion kann sich an der Hauptschlagader ein Aorten-Aneurysma bilden, eine krankhafte Erweiterung des Blutgefäßes. Reißt diese auf, kann es zu einer starken, lebensgefährlichen inneren Blutung kommen. Durch die Penicillin-Therapie ist die tertiäre Syphilis heute selten geworden.

Quartärstadium (Neurosyphilis). Etwa 10–20 Jahre nach Beginn der Erkrankung drohen Rückenmarkschäden, die Syphilis-Bakterien haben sich im Körper ausgebreitet, sodass auch das zentrale Nervensystem (ZNS) befallen wird (Neurosyphilis). Aufgrund der Gehirnschäden sind geistiger Abbau bis hin zur Demenz möglich.

Zwar ist diese Form selten geworden, aber bedingt durch Nachlässigkeiten bei der Behandlung der Syphilis und unbehandelt verschleppte Infektionen, die zunächst einen milden Verlauf aufwiesen, kommt diese Syphilis auch heute noch vor.

Am größten ist die Ansteckungsgefahr im Primärstadium, im 2. Stadium nimmt sie ab. Im 3. und 4. Stadium sind Syphilis-Infizierte hingegen nicht mehr ansteckend.

Komplikationen

Bei Frauen. Während der Schwangerschaft können bei infizierten Frauen Syphilis-Erreger in den kindlichen Körper gelangen und zu einer angeborenen Syphilis beim Kind führen (Syphilis connata). Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung während der primären Syphilis liegt bei 80–90 %, während der sekundären immer noch bei 40 % und im tertiären Stadium bei 10 %. Bei erkrankten Müttern kommt es als Folge der Infektion häufig zu Früh- und Fehlgeburten.

Bei Frauen und Männern. Das Geschwür am Eintrittsort des Erregers im primären Stadium begünstigt eine Infektion mit HIV. Beide Erkrankungen können sich im Verlauf gegenseitig ungünstig beeinflussen, sodass bei HIV-Patienten beschleunigte oder untypische Krankheitsverläufe drohen. Bei einer kombinierten Syphilis- und HIV-Infektion kommt es häufiger zu einer Neurosyphilis.

Diagnosesicherung

Neben der Beobachtung der typischen Symptome gibt es verschiedene Nachweismethoden der Syphilis-Infektion. Zum direkten Erregernachweis entnimmt der Arzt einen Abstrich aus dem Geschwür. Zur Sicherung der Diagnose werden Bluttests durchgeführt, unter anderem durch die sogenannte Dunkelfeldmikroskopie; dabei wird ein Tropfen Kapillarblut vom Finger entnommen, das über eine längere Zeit unter einem besonderen Mikroskop untersucht werden kann.

Die meistens eingesetzten indirekten Verfahren beruhen auf dem serologischen Nachweis von Syphilis-Antikörpern im Blut (Antikörpertest).

Behandlung

Pharmakotherapie

Im Primär- und Sekundärstadium lässt sich die Syphilis-Erkrankung in der Regel durch eine rechtzeitige Penizillin- oder Antibiotikabehandlung erfolgreich und ohne bleibende Schäden behandeln.

Mittel der ersten Wahl ist Penizillin G. Da die Erreger einen sehr langsamen Vermehrungszyklus haben, muss die Therapie hochdosiert mindestens 10–14 Tage, in späten Stadien und bei Neurolues 14–21 Tage erfolgen. Alternativ stehen mit den Depot-Penizillinen Präparate zur Verfügung, die mehrere Wochen wirken. In frühen Stadien reicht eine intramuskuläre Injektion aus, im tertiären Stadium ist eine intravenöse Gabe über 3 Wochen notwendig.

Die Behandlung der Neurosyphilis ist intensiver und erfordert typischerweise eine intravenöse Verabreichung des Penizillins.

Bis zur Ausheilung darf kein Geschlechtsverkehr stattfinden und auch nicht gestillt werden. Der Behandlungserfolg wird im ersten Jahr alle 3 Monate, dann jährlich kontrolliert.

Auch der Sexualpartner muss sich auf Syphilis untersuchen und gegebenenfalls mit Antibiotika behandeln lassen. Bei einer länger zurückliegenden Infektion müssen außerdem frühere Partner über eine mögliche Infektion informiert werden.

Komplikationen

In seltenen Fällen treten als Reaktion auf den raschen Zerfall der Syphilis-Erreger unter der Penizillin-Therapie Probleme auf. Jedem 2. Patienten drohen etwa 2–8 Stunden nach Beginn der Behandlung eine schwere Allgemeinreaktion (Jarisch-Herxheimer-Reaktion) mit grippeartigen Krankheitszeichen wie Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, aber auch Blutdruckabfall. Treten diese Symptome auf, wird Kortison verschrieben, evtl. auch schon vorbeugend.

Prognose

Die Prognose ist heutzutage generell gut bis sehr gut: Bei ausreichender Behandlung ist die Syphilis im Primär- und Sekundärstadium heilbar, im Tertiärstadium kann mit Medikamenten zumindest das weitere Fortschreiten der Krankheit gestoppt werden.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention

  • Der beste Schutz vor Ansteckung und Übertragung besteht im Gebrauch von Kondomen.
  • Vermeiden Sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern.
  • Auch beim Oralverkehr kann die Syphilis übertragen werden, deshalb ist der Gebrauch von sogenannten Lecktüchern (Oralschutztuch, Dental Dams) zu empfehlen.
  • Achten Sie darauf, Zahnbürsten oder Rasierer sowie Spritzen oder Verbandmaterialien nicht gemeinsam zu benutzen.