aut idem (lat.) = das gleiche

Kaum ein Wort hat in der letzten Zeit so viel Verunsicherung und Ratlosigkeit unter Patienten, Ärzten und Apothekern hervorgerufen wie dies. Dabei war es im Ursprung etwas sehr Gutes.

Mit aut idem war gemeint, daß unter einigen Ausnahmen wie z.B. im Not- und Nachtdienst es uns Apothekern erlaubt war, verordnete Medikamente die nicht vorhanden waren, gegen wirkstoffgleiche Produkte anderer Hersteller auszutauschen. Wichtige Kriterien für diese Entscheidung waren die gleiche Wirkstoffzusammensetzung, die Packungsgröße, die Qualität des Medikamentes (hier muß der Begriff Bioverfügbarkeit fallen), und die Eilbedürftigkeit. Natürlich gab es auch in den Lieferverträgen mit den Krankenkassen Regelungen, die Preisfragen festlegten (nicht teurer, mit einigen wenigen Ausnahmen).

Und was schon viele Jahre nachts funktionierte, wollte unser Berufsstand gern auch tagsüber in der Apotheke erlaubt haben. Gedacht war es dafür, bei Notwendigkeit dem Patienten schnell helfen zu können, vor allem in der Akutversorgung (z.B. starke Rückenschmerzen). Hier ist es so, daß ich um 17.59 sagen muß, ich hätte dieses Medikament zwar von drei Firmen da, aber hier steht eine vierte auf dem Rezept. Kommen Sie morgen bitte wieder und quälen Sie sich heute nacht rum. Kommt er 18.01 Uhr im Bereitschaftsdienst, kann ich entscheiden, welches Medikament dem verordneten gleich ist und ihn sofort versorgen! Es ist einzusehen, daß unser Wunsch nicht ganz unberechtigt ist.

Aber dann nahm das Unglück seinen Lauf, denn Politiker und Kassenfunktionäre hatten eine Idee. Da wir in Deutschland ja alles regeln können und auf dem Papier so toll aussieht, gingen sie daran, dieses sinnvolle Verfahren zu verbiegen. Heraus kam etwas, was zwar den Namen aut idem hat, im Inneren aber etwas völlig anderes ist. Im neuen Gesetz wird festgelegt, daß wir immer austauschen sollen. Und es wird uns alles ganz einfach gemacht. Keine Frage mehr nach Qualität, nach regelmäßiger Dauerversorgung, nach Patientenmeinung. Das einzige Kriterium für den Austausch ist, Sie ahnen es bereits, der Preis. Wenn man böswillig wäre, könnte man sagen, das dem Versicherten der gesetzlichen Krankenkasse nur noch das billigste Medikament zusteht. Individualität (schauen Sie mal bei Dosierung nach, da steht ein wenig darüber) gibt es nun nicht mehr. Ihr Arzt hat nur noch die Chance, sie gleich auf ein billiges Präparat einzustellen.

In meinen Augen ist dies eine schlimme Entwicklung. Und zum 01.07.2002 wird das auch noch bittere Realität. Der zuständige Ausschuß hat eine erste Liste mit über 100 Wirkstoffen veröffentlicht, bei denen der Austausch jetzt Pflicht wird.